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Paul Gehring im Interview zum Trend 2017

Kollektion Pure - Was steckt dahinter?

Anlässlich der Präsentation von Pure haben wir Top-Stylist und Ideengeber Paul Gehring interviewt, um aus erster Hand alle Details über die neue Kollektion zu erfahren.

Können Sie uns bitte beschreiben, was Pure ausmacht?

Pure ist das neue Nude. Die notwendige Entwicklung von Nude hin zum Individualismus, zur Reinheit und Authentizität, die präsenter sind denn je.  Bei dieser Kollektion haben wir alles weggelassen, was ablenkt und uns ganz auf unsere Leidenschaft konzentriert: das Haar. Mit den präsentierten Looks zelebrieren wir die natürliche Haarstruktur, indem wir sie in ihrem Wesen erfassen und ins beste Licht setzen. Anhand dieser Größen haben wir Pure kreiert; eine Kollektion, die Gender-Fragen und überflüssige Deko beiseite lässt, um die natürliche Schönheit neu erstrahlen zu lassen. Pure erinnert uns daran, dass die Essenz der Gegenwart, unserer Präsenz, im Ursprünglichen liegt. Reinheit ist schön.

Wie würden Sie die in dieser Kollektion präsentierte Reinheit definieren?

Das Wort Pure, also "rein", bedeutet bei dieser Kollektion, dass wir einzig und allein Haar und Make-up zeigen wollen. Es ist unsere Überzeugung, dass das Haar allmählich an Bedeutung gewinnen und zum Zentrum der Aufmerksamkeit aller Blicke werden wird. Tag für Tag wird seine wichtige Rolle offensichtlicher, sowohl in der Modeindustrie als auch im Streetstyle. Getreu dieser Prämisse haben wir alle Spielereien abgeschafft, um die Aufmerksamkeit auf das Make-up und das Haar zu fokussieren. 

Wie war der kreative Prozess? Wie hat sich die Idee entwickelt?

Eine Analyse der zurückliegenden Kollektionen führte zu der Erkenntnis, dass eine große Mehrheit der in unseren früheren Kollektionen vorhandenen Trends heute immer noch Gültigkeit hatten. Viele von ihnen erleben aktuell ihre beste Zeit, wie zum Beispiel der Mullet und der Long Bob.

Stimmt es, dass die Haarmoden so schnell wechseln, wie man in der Öffentlichkeit meint?

Nein, überhaupt nicht. Zwar hat die breite Masse anfangs oft Probleme damit, manche Moden zu verstehen oder zu akzeptieren, aber wenn sie erst einmal weitgehend akzeptiert worden sind, bleiben sie häufig über lange Zeit bestehen. Ein sehr beeindruckendes Beispiel in der Welt der Frisuren ist dafür der Bob. Diese Haarmode ist in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts entstanden und die ganze Zeit unangetastet geblieben, immer noch aktuell und gültig. Was sich lediglich verändert hat, ist die Art der Interpretation, vor allem hinsichtlich des Stylings und der Haarstrukturen. Wir sind also der Meinung, dass die Mode nicht so schnelllebig ist, wie die Leute glauben. Modezyklen haben ihre besonderen Gesetze und ganz so kurzlebig, wie die meisten glauben, sind sie nicht.

Welchen Einfluss haben Soziale Netzwerke und Influencer in der Haarmode?

Smartphones sind bei uns zu einem neuen Körperteil mutiert. Ständig sind wir online, verbunden über unsere Bildschirme, einem offenen Fenster zur Welt. Diese Welt, an der wir über unsere mobilen Geräte als Zeugen teilhaben, beeinflusst natürlich, wie könnte es anders sein, unsere Entscheidungen im täglichen Leben.

Spiegelt sich dieses Phänomen in unseren Selfies wider?

Bei einem Selfie entfallen 90% der Aufmerksamkeit auf das Haar. Wie wir an der Neubildung des Wortes helfie, einer Zusammensetzung aus hair und selfie sehen können, ist das Haar ein unerlässlicher Bestandteil einer guten Selbstaufnahme.

Es ist zu sehen, wie diese tragende Rolle von unseren Kameras auf Modekollektionen überspringt. Aktuelle Modefotos zeigen die Models nur bis zur Taille oder sogar nur mit ihrem Gesicht, so dass die Aufmerksamkeit unweigerlich auf das Haar des Models fällt. Die immense Bedeutung des Haars beginnt gerade erst deutlich zu werden.

Wie wichtig ist die natürliche Haarstruktur bei der Umsetzung der Frisuren?

Die Struktur des Haares ist sehr bedeutsam. Ich denke, sie ist nicht nur bedeutsam, sondern ist praktisch das Wichtigste überhaupt, denn ohne die Struktur hätten wir die Looks nicht schaffen können. Es war deshalb unser Bestreben, die Haare nicht zu vergewaltigen. Wenn wir einen schwungvollen Bob vorschlagen, dann weil das Haar bereits Schwung hat. Wenn wir einen strukturierten Pixie vorschlagen, dann weil das Haar bereits mit dieser Struktur ausgestattet ist. Wir wollten kein Styling erzwingen, das doch eher künstlich wirkt. Wenn wir uns nach der ursprünglichen Struktur richten, erzielten wir das authentischste Ergebnis. Man muss das Wesen des Haares respektieren, wenn man ein natürliches Ergebnis haben möchte, ungekünstelt und ehrlich.

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